Physiotherapie
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Physiotherapie ist eine Form der äußerlichen Anwendung von Heilmitteln; im Zentrum steht das an die Fähigkeiten des Patienten angepasste Vermitteln (Lehren) physiologischen Bewegungsverhaltens.
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Ziel
Die Physiotherapie orientiert sich bei der Behandlung an den Beschwerden und den Funktions- bzw. Aktivitätseinschränkungen des Patienten, die in Form eines Befundes sichtbar gemacht werden. Sie nutzt primär manuelle Fertigkeiten des Therapeuten, gegebenenfalls ergänzt durch natürliche physikalische Reize (z. B. Wärme, Kälte, Druck, Strahlung, Elektrizität) und fördert die Eigenaktivität (koordinierte Muskelaktivität, sowie die bewusste Wahrnehmung) des Patienten. Die Behandlung ist an die anatomischen und physiologischen, motivationalen und kognitiven Gegebenheiten des Patienten angepasst. Dabei zielt die Behandlung einerseits auf natürliche, physiologische Reaktionen des Organismus (z. B. Muskelaufbau und Stoffwechselanregung), andererseits auf ein verbessertes Verständnis der Funktionsweise des Organismus (Dysfunktionen/Ressourcen) und eigenverantwortlichen Umgang mit dem eigenen Körper ab. Das Ziel ist die Wiederherstellung, Erhaltung oder Förderung der Gesundheit und dabei sehr häufig die Schmerz-Reduktion.
Synonyme und verwandte Bereiche
Die englische Bezeichnung „physical therapy“ ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff „Physikalische Therapie“ in der Bundesrepublik Deutschland. Physiotherapie und Physikalische Therapie werden teilweise als Synonyme bzw. gemeinsames Fachgebiet betrachtet; korrekterweise wird die Physikalische Therapie aber als Unterbereich der Physiotherapie angesehen. Mit Blick auf finanzielle Abrechnungsmodalitäten sollen „Auf Intervention verschiedener Fachgruppen (…) die Bereiche Physiotherapie und physikalische Therapie im nächsten Entwurf (der Diagnosis Related Groups) wieder getrennt (werden), damit auch z. B. eine physiotherapeutische Behandlung und eine Wärmeanwendung einzeln gezählt werden können.“ (aus Prozedurenklassifikation im DRG-System).
Ausbildung
Zugangsvoraussetzungen
Um sich als Physiotherapeutn ausbilden zu lassen benötigt man als Zugangsvoraussetzung einen Real- oder Hauptschulabschluss und eine abgeschlossenen Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer, hier empfiehlt sich die Ausbildung zum Masseur oder zum medizinischen Bademeister, was die physiotherapheutische Ausbildungsdauer aufgrund der Vorkenntnisse um Einiges verkürzen würde. Auch die Vollendung des 17. Lebensjahres ist notwendig. Für das Verbundsstudium zum Diplom-Physiotherapeuten (FH) ist die Fachhochschulreife oder das Abitur Voraussetzung. Außerdem sind gute Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern und auch im Fach Deutsch erwünscht. De facto zeigt sich allerdings sehr häufig, dass die meisten Physiotherapeuten über ein Abitur verfügen, was den Anspruch der Ausbildung widerspiegelt.
Fähigkeiten, die Bewerber haben sollten
Der gute Umgang mit kranken Menschen/Tieren sollte gewährleistet sein, sowie Empathie daher wird vor Beginn der Ausbildung ein dreimonatiges Pflegepraktikum empfohlen. Weiterhin sind gute Koordination und Ausdauer von großem Nutzen. In Österreich sowie in anderen Ländern (USA, Australien, Schweden, ...) ist die allgemeine Hochschulreife (Matura, Abitur) Voraussetzung um zum Studium der Physiotherapie zugelasssen zu werden. Im Zuge des "Bologna-Prozesses" soll bis zum Jahr 2010 allgemein im europäischen Raum auf ein Fachhochschulstudium umgestiegen werden. Physiotherapeuten schließen dann somit mit dem akademischen Titel "Bachelor of Science" ab.
Ausbildungsdauer
Die Ausbildung zum Physiotherapeuten umfasst drei Jahre an der Berufsfachschule. Zum Abschluss der Ausbildung wird eine staatliche Prüfung abgelegt. Hat der Schüler diese bestanden, so ist er „staatlich anerkannter Physiotherapeut“. Um staatlich anerkannter Diplom- Physiotherapeut zu werden muss ein weiters Ausbildungsjahr (meistens im Fernstudium) absolviert werden, allerdings wird hierfür das Abitur oder die Fachhochschulreife benötigt.
Ausbildungsfächer
Es wird Vollzeitunterricht erteilt, das heißt es gibt mindestens 2.900 Stunden theoretischen und Praktischen Unterricht an der Schule und 1.600 Stunden praktische Ausbildung in Fachkliniken des Universitätsklinikums sowie in geeigneten Rehabilationseinrichtungen.
Unterrichtet werden vor allem physiotherapeutische Befunds- und Untersuchungstechniken, Massagetherapie, Hydro-, Balneo- (Bäderkunde), Thermo- und Inhalationstherapie, Elektro-, Licht- und Strahlentherapie, Prävention und Rehabilation, Bewegungserziehung und Bewegungs-und Trainingslehre.
Die Theorie dabei umfasst die Fächer Anatomie (Lehre vom Aufbau der Organismen), Physiologie (Lehre, die sich mit physikalischen, biochemischen und informationsverarbeitenden Funktionen von Lebewesen befasst), spezielle Krankheitslehre und auch physiotherapeutische Basistechniken. Zu erwähnen ist hier, dass die Anatomie des Bewegungsapparates nicht nur zwangsläufig hochrelevant ist, da sie Arbeitsgrundlage für die gesamte Physiotherapie darstellt, sondern auch, dass das Regierungspräsidium gesetzlich vorschreibt, dass ein Physiotherapeut in diesem Bereich umfassenderes Wissen als ein Mediziner haben muss. Somit bildet die Anatomie des Bewegungsapparates einen wichtigen Schwerpunkt der Ausbildung und wird, direkt und indirekt, in den drei Jahren immer wieder abgeprüft.
Zu den klinisch-praktischen Fächern der Ausbildung zählen Orthopädie (Entstehung, Verhütung, Erkennung und Behandlung von Form- oder Funktionsfehlern des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen), Chirurgie (Behandlung von Krankheiten und Verletzungen durch direkte, manuelle oder instrumentelle Einwirkung)/Traumatologie (Wissenschaft der Verletzungen und Wunden sowie deren Entstehung und Therapie; Zusatzbezeichnung der Chirurgie), Innere Medizin (Vorbeugung, Diagnostik), Kardiologie (Lehre vom Herzen), Pädiatrie (Kinderheilkunde), Gynäkologie (Frauenheilkunde) und Geburtshilfe sowie Neurologie (Behandlung des kranken Nervensystems)/Psychiatrie/Neurochirurgie (Erkennung und operative Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems).
Ergänzend werden den Schülern krankengymnastische Techniken wie z. B. Manuelle Therapie (Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungssystems), medizinische Trainingstherapie und Elektro- und Hydrotherapie nahe gebracht.
Ergänzte Ausbildung
Außer der üblichen Ausbildung zum Physiotherapeuten gibt es die kombinierte Ausbildung zum Physiotherapeutenn und Gymnastiklehrer, allerdings nur an wenigen Ausbildungseinrichtungen.
Studiengang
Die Hochschule Fresenius (HSF) ist die erste Hochschule in Deutschland, die Physiotherapeuten auf Hochschulebene grundständig ausbildet. Die Dauer des Studiums beträgt acht Semester und führt zu einem berufsqualifizierenden Abschluss im Therapiebereich Physiotherapie.
Der Bachelor Studiengang an der HSF ist in Kooperation mit der Hogeschool Utrecht (Niederlande) entstanden; seit 2003 ist er auch in Deutschland akkreditiert, 2006 wurde er re-akkreditiert. Am Ende des Studiums wird von der Hogeschool Utrecht der akademische Grad Bachelor of Health verliehen. Die HSF verleiht den in Deutschland akkreditierten akademischen Grad Bachelor of Science. Die Anerkennung des Berufsabschlusses ist über EU-Richtlinien geregelt.
Ziel des Studiums ist es, kompetente, wissenschaftlich qualifizierte und international ausgerichtete junge Menschen auszubilden, die eigenverantwortlich und interdisziplinär in unterschiedlichen Arbeitsgebieten tätig werden können. Grundlage hierfür ist ein über das traditionelle Berufsbild hinausreichendes, zukunftsorientiertes Berufsprofil, das gleichermaßen Patienten wie auch wissenschaftlichen Anforderungen gerecht wird.
Geschichte
Viele Verfahren der Physiotherapie haben ihren Ursprung weit zurückliegend. Archäologische Funde zeigen, dass Thermal- und Mineralquellen schon bereits in frühgeschichtlicher Zeit genutzt wurden. Verschiedene Formen der Massage und von medizinischen Bädern kannte man bereits vor circa 4000 Jahren in China. Erst Hippokrates vertrat verschiedene medizinische Auffassungen, die sich heutzutage in der Physiotherapie wiederfinden. Er verstand den lebendigen Leib als Organismus, Gesundheit als Gleichgewicht und Krankheit als gestörten physischen und psychischen Gesamtzustand. Seine Überzeugung war, dass die Natur eine Heilkraft besitzt.
Im 18. Jahrhundert fanden erste Medikamente zwar Anklang, brachten allerdings auch Gefahren mit sich. Mancher Arzt propagierte die Anwendung von Mineralwässern, Heilbädern und der Hydrotherapie. Dies setzte sich im 18. Jahrhundert weiter fort, die Beliebtheit der Hydrotherapie stieg an.
Vor allem in Deutschland erlebte die Hydrotherapie einen wahren Boom: Der Urvater der Hydrotherapie, Sebastian Kneipp, entwickelte eine einfache Lebensregelung, kombinierte sie mit der Anwendung pflanzlicher Medikamente und einer Gesundheitserziehung.
In Deutschland wurde der Begriff „Krankengymnastik“ im Jahre 1994 durch den Begriff Physiotherapie im Rahmen einer Novellierung der Berufsgesetze bundesweit abgelöst. Grund dafür war die Anpassung an den internationalen Sprachgebrauch und die Zusammenführung der west- und ostdeutschen Heilberufe nach der Wiedervereinigung. In der DDR war der Begriff Physiotherapie bereits vor der Wiedervereinigung üblich.
Arbeit von Physiotherapeuten
Nachdem die Berufsausbildung abgeschlossen wurde, gibt es beispielsweise Ausübungsmöglichkeiten in Krankenhäusern, Kliniken, Einrichtungen der Rehabilitation, Physiotherapeutischen Lehranstalten, Kur- und Erholungseinrichtungen und Fitness-Studios. Auch kann man sich sobald man das Staatsexamen hat selbständig machen.
Bei der Berufsausübung ist Teamarbeit unter den Physiotherapeuten, als auch die gute Zusammenarbeit mit Ärzten gefragt, denn die Arbeit des Physiotherapeuten ergänzt und unterstützt die ärztliche Therapie sinnvoll.
Nach der ärztlichen Verordnung werden eigenverantwortliche Behandlungspläne aufgestellt und durchgeführt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Schäden nicht nur „repariert“, sondern auch der korrekte Bewegungsablauf als Ganzer im Auge behalten wird um Verletzungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Physiotherapie wird von Physiotherapeuten in unterschiedlicher Form und Vielfalt ausgeübt.
Physiotherapeuten analysieren und interpretieren Schmerzzustände, sensomotorische Funktions- und Entwicklungsstörungen (z. B. die Hyper- oder Hypomobilität eines Gelenks), um sie mit spezifischen manuellen und anderen physiotherapeutischen Techniken zu beeinflussen. Primärer Ansatzpunkt ist das Bewegungssystem und das Bewegungsverhalten, wobei die Ziele Schmerzfreiheit und ökonomisches Bewegungsverhalten im Alltag sind oder im Falle von irreversibelen Funktionsstörungen Kompensationsmöglichkeiten zu schaffen.
Physiotherapeuten beeinflussen auch Funktionsstörungen innerer Organe, verbessern die Eigen- und Fremdwahrnehmung, sowie die Sozialkompetenz und können ebenfalls auf die psychische Leistungsfähigkeit einwirken.
Ziele der Physiotherapie sind darüber hinaus, Eigenständigkeit und Selbständigkeit des Patienten zu fördern und die Selbstheilungskräfte des Organismus zu aktivieren; wo Selbständigkeit des Patienten nicht zu erreichen ist, gehört zu den physiotherapeutischen Aufgaben das Anleiten von Angehörigen (z. B. in der Pädiatrie, Geriatrie oder bei schweren neurologischen Störungen).
Tätigkeitsfelder
- Prävention
- Vorbeugung von beruflichen Fehlhaltungen, Vermeidung von Berufskrankheiten, Schulung von Risikopatienten
- stationäre und ambulante Therapie
- bei inneren Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Lungenentzündung)
- bei orthopädischen Erkrankungen (z. B. Fehlstellung, Arthrose, Skoliose, Bandscheibenvorfall, Schmerzreduktion)
- bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Polyneuropathie, Schlaganfall, Parkinson-Krankheit, ataktischer Symtomtenkomplex)
- in der Traumatologie (z. B. nach Fraktur, künstlichem Gelenk, Amputation, Sehnenriss, Narbendehnung)
- bei rheumatischen Erkrankungen (z. B. Poliarthrose, morbus Bechterew)
- bei geriatrischen Patienten (z. B. Kräftigung und Stabilisierung multimorbider Patienten, Einüben täglicher Bewegungsabläufe, Sturz-Prophylaxe, Handling mit Hilfsmitteln)
- in der Gynäkologie (z. B. Schwangerschaftsgymnastik, Rückbildungsgymnastik)
- in der Pädiatrie (z. B. motorische Störungen, spastische Störungen, atonische/hypertonische Störungen, Behandlung von Frühgeborenen)
- Rehabilitation nach Unfällen, nach langfristigen Erkrankungen, zur Wiederherstellung der natürlichen Beweglichkeit, Kraft und Geschicklichkeit des Patienten, Rückführung zum Beruf
- Kurwesen
- zur Erhaltung des körperlichen und geistigen Gesundheit und Leistungsfähigkeit
- Wellnessbereich
- zur Erhaltung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens, Hilfe bei Stressbewältigung
- Heilgymnastik=alter Begriff für Physiotherapie
Siehe auch
Weblinks
- physioswiss - Schweizer Physiotherapie Verband
- Deutscher Verband für Physiotherapie – Zentralverband der Physiotherapeuten
- Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten
- physiokongress – jährlicher deutscher Fachkongress für Physiotherapeuten (von Verbänden unterstützt)
- lexolino.de - Hundephysiotherapie
- [1]