Cranio-Sacral-Therapie

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Die Cranio-Sacral-Therapie (von englisch cranio-sacral therapy: „Schädel-Kreuzbein-Therapie“, auch Kraniosakraltherapie) ist eine alternativmedizinische Behandlungsform, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Es ist ein manuelles Verfahren, bei dem Handgriffe vorwiegend im Bereich des Schädels und des Kreuzbeins ausgeführt werden. Bisher gibt es keinen Nachweis, dass das Verfahren wirksam ist.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Cranio-Sacrale Therapie ist aus der Osteopathie heraus entstanden, genauer gesagt aus der „Osteopathy in the Cranial Field“ - begründet vom US-amerikanischen osteopathischen Arzt William Garner Sutherland D.O., einem Schüler von Andrew Taylor Still, dem Begründer der Osteopathie (The Cranial Bowl, 1939).

Die heutige Ausprägung als von der Osteopathie losgelöste Therapieform erhielt sie im Wesentlichen durch den Osteopathen John E. Upledger (Craniosacral Therapy, 1983). Upledger reduzierte das Behandlungskonzept der „Osteopathy in the Cranial Field“ auf ein Konzept aus 10 Schritten und verband es mit der alternativen Psychotherapie der 1970er Jahre zum Konzept der „Somato Emotional Release“ (körperlich-seelische Lösung). Er postulierte dafür sogenannte „Energie-Zysten“, in denen sich ein Trauma im Gewebe fixiere.

Der Brite Franklyn Sills mischte das Konzept mit Polarity; seine Synthese bezeichnet er als craniosacral biodynamics. Der Kalifornier Hugh Milne, formulierte eine visionär-schamanistische Variante. Zu jedem dieser Konzepte gibt es privat geführte Ausbildungsinstitute, teilweise internationale und nationale Verbände [1] und Lehrmaterial.

Konzept

Die Cranio-Sacral-Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) sich auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen der Schädelkalotte werden für gegeneinander beweglich angenommen. Diesbezüglich gibt es entsprechende Untersuchungen von dem St. Petersburger Neurophysiologen Yuri Moskalenko [2] [3] [4] [5].

Durch Berührung von Kopf und Rücken will der Therapeut Informationen über mögliche Blockaden dieser Bewegung sammeln und dadurch auf Funktionseinschränkungen an Körper und Schädel einwirken, sowie indirekt auch Membranen innerhalb des Schädels (Falx cerebri, Tentorium, Falx cerebelli) und die harte Hirnhaut (Dura mater) beeinflussen. Dieses Vorgehen soll einen angenommenen „Energiefluss“ verbessern und Selbstheilungskräfte aktivieren, Funktionseinschränkungen und seelische Traumata lösen.

Kritik

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der zerebrospinale Liquor puls- und atemsynchron ist[6]. Eine im ganzen Körper wirksame Liquorwelle existiert jedoch nicht, eine Wirksamkeit der Cranio-Sacral-Therapie ist nicht belegt [7]. Befürworter der Cranio-Sacral-Therapie berufen sich nur auf eigene Erfahrungen. Studien über die Wirksamkeit (siehe medizinische Wirksamkeit) oder Wirkweise der Cranio-Sacral-Therapie wurden in internationalen medizinischen Fachblättern aufgrund methodischer Mängel bisher als mangelhaft bewertet [8] [9].

In den bisherigen Untersuchungen gab es keine signifikante Übereinstimmung über einen festgestellten Rhythmus zwischen zwei Therapeuten, die gleichzeitig die gleiche Person berührten [10] [11] [12] [13] [14]. Auch die durch bildgebende Verfahren im Mikrobereich festgestellte Bewegung der Schädelnähte ist so gering, dass sie das Diskriminationsvermögen der feinen Tastsensoren einer menschlichen Hand deutlich unterschreitet [15].

Fortbildungsangebote

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Quellen


Literatur

  • William Garner Sutherland: The Cranial Bowl. 1939
  • William Garner Sutherland, Editor: Ann Wales: Teachings in the Science of Osteopathy. 1990
  • Milne, Hugh: Aus der Mitte des Herzens lauschen. Vol.1, Vol.2
  • Rebecca Lippincott Conrow, Howard A. Lippincott: A Manual of Cranial Technique. 1943
  • Harold Ives Magoun: Osteopathy in the Cranial Field. Denver 1951
  • Sills, Franklyn: Craniosacral Biodynamics, Vol.1, Berkeley, 2001, Vol. 2, Berkeley, 2004
  • J.E. Upledger: Lehrbuch der Kraniosakral-Therapie (USA 1983), Heidelberg 1991
  • J.E. Upledger: Auf den Inneren Arzt hören, Eine Einführung in die KranioSacral-Arbeit, Basel 1994

Weblinks

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